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Dialog zwischen Israelis und Palästinensern 09.02.2010

Die Basis für Frieden

Moritz Behrendt


Gutmenschen werden heutzutage gerne belächelt. Und wer sich zurzeit für das scheinbar aussichtslose Unterfangen einsetzt, Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu schaffen, der muss als hoffnungsloser Gutmensch gelten. Wenn Alexandra Senfft in ihrem Buch »Fremder Feind, so nah« Menschen vorstellt, die genau dies versuchen, dann hat das mit naiver Friedensromantik dennoch rein gar nichts zu tun.


Die Islamwissenschaftlerin hat als UN-Mitarbeiterin und Journalistin den Nahost-Friedensprozess mit seinen wenigen Annäherungen und vielen Rückschritten zu genau verfolgt, um sich von einer salbungsvollen Friedensrhetorik einlullen zu lassen. In ihrem Buch weist sie schonungslos darauf hin, wenn Dialogprojekte zum Scheitern verurteilt sind, etwa wenn ein ehemaliger Offizier der Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) versucht, Bewohner einer jüdischen Siedlung mit ihren Nachbarn, Palästinensern sowie Beduinen, ins Gespräch zu bringen. Hier fehlt einfach die Basis für Verständigung, urteilt Senfft.


Sie stellt mehr als ein Dutzend israelisch-palästinensische Projekte vor und charismatische Persönlichkeiten, die sich für den Frieden einsetzen. Dabei beruft sie sich auf die Methode des »Storytelling in Conflict« des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Psychologen Dan Bar On. Die Beteiligten in den Projekten sollen Verständnis füreinander entwickeln, in dem sie der Lebensgeschichte der anderen zuhören, lautet das Prinzip kurz gefasst. Wenn auf diese Weise überzeugte Zionisten mit palästinensischen Flüchtlingen aufeinandertreffen, bleibt das zwar nicht ohne Konflikte, kann aber, wie Senfft beschreibt, durchaus erfolgversprechend sein.


Überwindung der Sprachlosigkeit

Auch in Senffts Buch stehen die lebensgeschichtlichen Interviews im Mittelpunkt, das macht seine Stärke aus. So werden die Beweggründe deutlich, etwa warum Dalia Golomb, die Nichte des langjährigen israelischen Außenministers Moshe Shertok, gegen die Besatzung kämpft oder warum die Schauspielerin Rawda Sliman ebenso gegen die patriarchalischen Strukturen in der arabischen Gesellschaft aufbegehrt wie gegen die Vernachlässigung israelischer Araber durch den jüdischen Staat.


Dazu kommt bei Alexandra Senfft noch eine weitere Ebene: Sie selbst hat sich in dem Buch »Schweigen tut weh« sehr offen mit der Geschichte ihrer Familie auseinandergesetzt, insbesondere mit der ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs Hitlers Gesandter in der Slowakei war und 1947 als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. In »Fremder Feind, so nah« bringt sie sich auch immer selbst ein – das komplizierte Beziehungsdreieck zwischen Israelis, Palästinensern und Deutschen führt jedoch nicht zu Sprachlosigkeit, sondern zu einer offenen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und, was genauso wichtig ist, mit der Geschichte der anderen.


Es ist eine gängige Behauptung, dass es schwieriger sei Frieden aufrecht zu erhalten, als ihn zu schaffen. Im Nahen Osten könnte das Gegenteil der Fall sein. Alexandra Senfft sagt, die von ihr vorgestellten Menschen seien nur eine kleine Auswahl derer, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen. Wenn das stimmt, dann ist eine wichtige Voraussetzung für ein von Respekt geprägtes Zusammenleben in Friedenszeiten schon erfüllt. Soweit ist es aber noch nicht, denn um den Konflikt zu lösen, ist die Politik gefordert, da reicht zivilgesellschaftliches Engagement nicht aus.


Alexandra Senfft. Fremder Feind, so nah. Begegnungen mit Palästinensern und Israelis. edition Körber-Stiftung, Hamburg 2009, 334 Seiten, 20 Euro.



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