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Dominik Peters
In den vergangenen Jahren war es ruhig um ihn geworden. Nach dem israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen, gegen den er sich wortgewaltig aber vergeblich gestemmt hatte, zog auch Hanan Porat sich zurück, nach Kfar Etzion, seinem Heimatdorf, unweit von Jerusalem. Nun ist der 67-Jährige, der in Israel über Jahrzehnte von seinen Anhängern als »lebende Legende« gefeiert und von seinen Gegnern als »Respektsperson« geachtet wurde, tot. Der charismatischste Führer der israelischen Siedlerbewegung erlag am Dienstag einem langen Krebsleiden. Parteiübergreifend äußerten sich seine politischen Weggefährten bestürzt.
Knesset-Präsident Reuven Rivlin pries Porat auf dessen Beerdigung, auf der neben den Siedlerführern und prominenten Politikern auch Israels aschkenasischer Oberrabbiner Jona Metzger anwesend war, als »Visionär, Poet und Kämpfer, der bereits jetzt von uns vermisst wird«. Und Shlomo Amar, der sephardische Oberrabbiner des Landes, ergänzte: »Wenn so ein kostbarer Fels aus der Landschaft unseres Lebens gerissen wird, dann ist der Verlust unermesslich.« Ähnlich äußerten sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Präsident Schimon Peres, die Porat persönlich kannten – ebenso wie Ehud Barak. Der Verteidigungsminister erklärte: »Porat war ein treu ergebener Sohn seines Volkes, der sein Leben lang versucht hat, Brücken zwischen Religiösen und Säkularen, Rechten und Linken zu bauen.«
1943 in Kfar Pines geboren, einem religiösen Moschav zwischen Hadera und Umm al-Fahm, siedelte Porats Familie bereits ein Jahr später nach Kfar Etzion, das im ersten israelisch-arabischen Krieg von der »Arabischen Legion« des Glubb Pascha überrollt wurde. Die Schlacht – in der säkulare Hagana-Mitglieder, die sogenannten »Golden Boys«, an der Seite der religiösen Bewohner kämpften – avancierte nach der Staatsgründung 1948 zum Gründungsmythos, einer Brücke zwischen den Religiösen und Säkularen. Bis heute werden immer noch Dissertationen an Universitäten über das Dorf eingereicht, Bücher veröffentlicht und lernt jedes israelische Kind im Geschichtsunterricht detailliert, wie diese offiziellen Vorzeigezionisten um ihr Leben kämpften.
Hanan Porat wurde in letzter Minute nach Jerusalem evakuiert – und war der erste Israeli, der nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967, in dem er die Jerusalemer Altstadt als Fallschirmspringer mit erobert hatte, dorthin zurückkehrte. Er war damals ein ideologischer Heißsporn, die treibende Kraft hinter der Wiederbesiedlung Kfar Etzions und bekniete den damaligen Ministerpräsidenten Levi Eschkol ebenso wie den Verteidigungsminister Mosche Dayan. Er und einige weitere Überlebende durften zurückkehren – und schufen damit einen Präzedenzfall, die erste jüdische Siedlung jenseits der »Grünen Linie«. Über Nacht wurde Porat, der Rabbiner mit der religiösen Autorität eines Absolventen der bekannten Jeschiva Merkaz ha Rav, im ganzen Land bekannt – und baute seine zweite Brücke: zwischen Rechten und Linken.
Denn damals war, wie die neue Vorsitzende der Arbeiterpartei Shelly Yachimowich jüngst öffentlich zugegeben hatte, Konsens, was heute außen- wie innenpolitisch heftig umstritten ist. Der Sieg von 1967 versetzte Israel in ein Gefühl der Ekstase und die Bevölkerungsmehrheit war dafür, dass Porat und seine Freunde dort siedeln durften, wo ihre Eltern im Kampf gefallen waren. Die damals auflagenstärkste Zeitung Maariv sprach gar von einem »Holocaust«, der nun »wieder gut gemacht« werden würde.
In der Folgezeit avancierte Hanan Porat zum unumstrittenen Alpha-Pionier und Siedlerführer. Infiltrierten seine Weggefährten die konservative Mafdal-Partei, organisierte er die Errichtung der Kirjat Arba-Siedlung nahe Hebron, ebenso wie wenig später den Bau der »Flaggschiffsiedlung« Ofra, mit – und zog 1973 in die Schlacht; im Kampf gegen Ägypten am Suezkanal wurde er schwer verwundet. Die Beinahe-Niederlage führte zu einer folgenreichen Schlussfolgerung bei Porat: Der Arbeiterzionismus sei tot, es brauche neue Pioniere, ihn und seine Freunde. Das Resultat: Gusch Emunim, die bedeutendste außerparlamentarische Bewegung in der israelischen Geschichte, die sich für die Belange der Siedler einsetzte, wurde 1974 gegründet.
Ein Jahr später gelang ihm der nächste große Coup, die Besiedlung der alten osmanischen Bahnstation Sebastia und die Errichtung von Elon Moreh, nahe Nablus. Vorausgegangen waren harte Verhandlungen mit der Rabin-Regierung, der so genannte Kedumim-Kompromiss, und eine geniale Medienstrategie, die große Teile der Bevölkerung ein weiteres Mal auf die Seite der Siedler gezogen hatte. Und selbst mit der Gründung einer eigenen Partei, Tehiya, war er erfolgreich, zog 1981 in die Knesset. Dort blieb er insgesamt 15 Jahre, allerdings für verschiedene Parteien. 1999 verabschiedete er sich von der aktiven Politik.
Und wurde altersmilde. Es erinnerte in den letzten Jahren nur noch wenig an den Mann, der 1994, nach dem Massaker des Baruch Goldstein an betenden Arabern in Hebron, auf die Frage eines Reporters, was er davon halte, geantwortet hatte, er wünsche allen »ein fröhliches Purimfest«. Für provokante Reden waren nunmehr andere zuständig, vornehmlich die Jugendlichen der »Hilltop Youth«. Nun ist er tot, hinterlässt seine Frau, zehn Kinder, 20 Enkelkinder – und wurde am vergangenen Mittwoch in Kfar Etzion beerdigt.
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