Quicknews
Nils Metzger
Eine Familie steht am finanziellen Abgrund. Monatelang hatten sich die Nachkommen von Firmengründer Ahmad Hamad Al Gosaibi gewunden, Millionen an Gerichts- und Anwaltskosten aufgebracht und mussten vergangenen Donnerstag doch eine entscheidende Niederlage einstecken. Wohlmöglich die erste von vielen.
Sechs Banken hatten die Al Gosaibi-Group (AHAB) in London auf die Rückzahlung von 250 Millionen US-Dollar verklagt. Da niemand weiß, wie viel tatsächlich in der Kasse des Milliardenkonzerns, der in nahezu allen Branchen aktiv war, verblieben ist, hat sich ein Wettrennen unter den 118 AHAB-Gläubigern entwickelt. Von bis zu 22 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten, die in den Rechnungsbüchern des saudi-arabischen Konzerns schlummern, ist die Rede und das Londoner Urteil wird an Gerichtshöfen weltweit sein Echo finden. BNP Paribas und die European Islamic Investment Bank haben bereits angekündigt, das jüngste Urteil aus London in ihre Klagen gegen AHAB einfließen zu lassen.
Dabei ist nicht immer klar, wessen Schulden die 9,2 Milliarden US-Dollar genau sind, um die AHAB aktuell an mehreren Gerichten kämpft. In diesem Lehrstück über die Tücken saudi-arabischer Unternehmensführung stehen sich zwei Dynastien inzwischen unversöhnlich gegenüber. Maan al-Sanea gründete 1980 die Saad Group und heiratete später in die Familie der al-Gosaibis ein. Beide Unternehmen wuchsen in den kommenden Jahrzehnten weiter und weiter zusammen, gründeten gemeinsame Töchter, investierten in die gleichen Projekte und hatten ihre Zentralen in der saudischen Küstenstadt al-Khobar. So traf die Weltwirtschaftskrise beide Gruppen vergleichsweise hart – einzelne Sparten beider Gruppen mussten 2009 schließlich abgewickelt werden.
Seit Beginn der Krise hatten sich einzelne Familienmitglieder negativ über die Geschäftspraktiken von Maan al-Sanea geäußert: Er habe Unterschriften des todkranken Familienoberhauptes Sulaiman Hamad Al Gosaibi gefälscht und der Saad-Group so Milliardenwerte zukommen lassen – die jetzt im Kampf ums wirtschaftliche Überleben fehlten. Dieser Darstellung haben unter anderem Al-Sanea-Gattin Sana, deren Onkel Sulaiman war, widersprochen. Trotzdem wies der Oberste Gerichtshof der Kaimaninseln Banken weltweit an, Al-Sanea-Vermögen in Höhe von 9,2 Milliarden Dollar 2009 einzufrieren. Eben diesen Wert hat der Schuldenberg der Al-Gosaibi-Familie, den sie gerne an ihren alten Geschäftspartner loswerden möchte.
Die Verteidigung der Al Gosaibi Group stützt sich in diversen Prozessen in Dubai, Saudi-Arabien und den USA auf die Argumentation, die Kreditaufnahme sei durch das Board of Directors nicht autorisiert gewesen. In Los Angeles wird seit März 2011 der Prozess AHAB gegen Glenn Stewart verhandelt. Der ehemalige CEO der pleite gegangenen International Banking Corporation (IBC) habe Maan al-Sanea bewusst dabei unterstützt, mit Hilfe gefälschter Unterschriften Milliardenbeträge bei Großbanken in der ganzen Welt aufzubringen. Stewart solle persönlich für den entstandenen Schaden haften, so AHAB.
Rund die Hälfte der bekannten Schuldverpflichtungen bestehen gegenüber saudi-arabischen Banken. Deren internationale Konkurrenten befürchten nun, sie könnten ihnen gegenüber benachteiligt werden und am Ende mit leeren Händen dastehen. Der undurchschaubare Finanzskandal um die Al Gosaibi-Group könnte am Ende nur Verlierer haben.
zenithDebatte
Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Religion verfechten ihren Standpunkt zu einem aktuellen Thema.
Kalender
zenith Edition
Reaching for the Sun?
The Search for Sustainable Energy Policies in North Africa and the Middle East