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Benzinkrise in den VAE 16.06.2011

Das Sommerloch ist da

Nils Metzger


Es hätte ein Segen für die so oft von kilometerlangen Autoschlangen verstopften Straßen der Metropolregion Abu Dhabi - Dubai sein können. Kinder, die auf Schnellstraßen Fußball spielen und verwöhnte Manager, die auf dem Fahrrad gegen ihr Übergewicht ankämpfen. Doch die aktuelle Ölkrise hat die Emirate so unvorbereitet getroffen, dass Regierungsstellen, Ölfirmen und Konsumenten gar nicht recht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.


Fakt ist: Seit mehr als einer Woche haben viele Tankstellen des Staates, insbesondere aber in der nördlichen Hälfte des Landes, keinen neuen Treibstoff mehr bekommen. Viele sind dazu übergegangen, ihre Vorräte zu rationieren. Eine einheitliche Richtlinie, wonach Privatfahrzeuge eine höhere Priorität als Lastwagen genießen – so berichtete es beispielsweise das Wirtschaftsportal arabianbusiness.com – scheint es nach diversen Medienberichten nicht zu geben. Vor vielen Tankstellen bilden sich lange Warteschlangen. Wie konnte es dazu kommen?


Umbauarbeiten sind nur vorgeschoben

Im Einklang ließen die Tankstellenbetreiber ENOC und EPPCO verlautbaren, die aktuelle Situation sei der »technischen Aufrüstung der Tankstellen« geschuldet. Warum die Unternehmen jedoch auf die Idee gekommen seien, Umbauarbeiten bei insgesamt 167 Filialen in den Emiraten Dubai, Scharja, Ajman und Ras Al Khaima gleichzeitig vorzunehmen, erklärt keine der Pressemitteilungen.


Der Regierungsrat von Scharja beklagte sich zwischenzeitlich über die schlechte Informationspolitik der beiden staatlichen Ölgiganten. Tagelang habe man nicht gewusst, welches Problem genau vorliegt, so ein Sprecher. Während die Unternehmen mitteilten, dass die angeblichen Umbauarbeiten noch bis zu zwei Monate dauern könnten, bezweifeln viele Analysten, dass tatsächlich ein technisches Problem vorliegt.


Schon in den vergangenen Monaten war es mehrfach zu Lieferengpässen gekommen. Dalton Garis, Professor am staatlichen Ölinstitut von Abu Dhabi machte gegenüber dem Nachrichtenportal gulfnews.com die steigende Nachfrage für die aktuelle Lage verantwortlich. Man habe nicht ausreichend in das Raffinerienetz investiert. Während die VAE täglich rund 2,5 Millionen Barrel Öl exportieren, sind sie wie beispielsweise auch der Iran auf Treibstoffimporte angewiesen. Das anhaltende Wirtschaftswachstum verschärft die Situation zunehmend.


Die gegenwärtige Krise wirft auch ein Licht auf die desolate Lage der emiratischen Tankstellenbetreiber. Um die Konsumentenpreise niedrig zu halten, stützt die Regierung den Markt seit Jahren mit Milliardenbeträgen. Im Treibstoffgeschäft fahren ENOC, EPPCO und die ebenfalls staatliche Gesellschaft Emarat milliardenschwere Verluste ein. Im vergangenen Jahr zahlte allein Abu Dhabi rund fünfeinhalb Milliarden US-Dollar an Subventionen.


Da alle Firmen zu Weltmarktpreisen einkaufen müssen und der Ölpreis in den vergangenen Monaten drastisch angestiegen ist, könnten die Staatsbetriebe gerade mit akuten Finanzproblemen zu kämpfen haben – die Regierungen wären dann gezwungen, entweder die Preise zu erhöhen oder deutlich mehr Subventionsgelder zur Verfügung zu stellen. Hinter den Kulissen laufen Gerüchten zufolge bereits die Verhandlungen.



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