Quicknews
Daniel Gerlach
In Syrien gehen bewaffnete Einheiten weiter gewaltsam gegen Demonstranten und mutmaßliche Regimegegner vor. Allein am Donnerstag starben laut Agenturberichten 3 Menschen in der ostsyrischen Stadt Deir az-Zor, 14 wurden schwer verwundet. Aber unter Armeeangehörigen, insbesondere Wehrdienstleistenden, regt sich Widerstand: Mehrere Soldaten, unter anderem in der Stadt Deir az-Zor, weigern sich nach zenith-Informationen nun kategorisch, auf Zivilisten zu schießen.
»Wir wollen längst fliehen, aber wir können weder den Türken, noch den Jordaniern und Libanesen trauen.« Soldaten, die bereit seien zu desertieren, fürchteten, von den Behörden der Nachbarstaaten wieder nach Syrien ausgeliefert zu werden, heißt es in der elektronischen Nachricht eines Offiziers an einen Freund, die zenith vorliegt.
»Das Regime belügt die eigene Armee«, heißt es darin weiter: »Man sagt, die Oppositionellen seien Terroristenbanden, die von Israel und den Amerikanern ausgerüstet würden. Und dann verlangt man von den Soldaten, auf ganz normale Syrer zu schießen.« Vom Regime angeheuerte Einheiten – etwa in der zentralsyrischen Stadt Homs – nutzten die Niederschlagung der Aufständischen gezielt für Plünderungen.
Zahlreiche Soldaten der syrischen Armee hätten inzwischen selbst Angehörige und Freunde verloren. In seinem Hilferuf kritisiert der Offizier auch die Haltung der anderen arabischen Staaten: »Hier sterben die Menschen und die arabischen Regierungen ignorieren uns. Sie senden dem Regime sogar noch Geld, ob offen oder heimlich.«
In der syrischen Armee dienen derzeit laut Schätzungen rund 200.000 Soldaten. Seit Beginn der Proteste im März wurden Presseberichten zufolge auch Reservisten einberufen. Der Wehrdienst dauert 21 Monate. Bereits Ende Juni hatten Medien über Armeeangehörige in Deir az-Zor berichtet, die den Schießbefehl verweigerten. Die nordostsyrische Provinzstadt gilt unter anderem wegen der nahe gelegenen Ölförderanlagen und der Brücke über den Euphrat als strategisch bedeutend.
Auszüge aus dem Schreiben im Wortlaut finden Sie auf auf Alsharq – Naher und Mittlerer Osten.
zenithDebatte
Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Religion verfechten ihren Standpunkt zu einem aktuellen Thema.
Kalender
zenith Edition
Reaching for the Sun?
The Search for Sustainable Energy Policies in North Africa and the Middle East