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Dominik Peters
»Ding Dong« – mit diesem Song war Israels Euro-Trash-Queen Dana International (das Bild oben zeigt sie gemeinsam mit der israelischen Politikerin Tzipi Livni) am vergangenen Dienstag beim israelischen Vorentscheid für den Grand Prix Eurovision de la Chanson in Rischon le Zion angetreten. Und hat tatsächlich gewonnen.
Nach dem überraschenden Zuschauer-Votum erklärte die transsexuelle israelische Popsängerin der Tageszeitung Jedioth Ahronoth: »Ich freue mich wie ein kleines Kind, Israel beim Eurovision Song Contest vertreten zu dürfen.« Dass der Liederwettbewerb dieses Jahr im deutschen Düsseldorf stattfinde, sei für sie besonders wichtig, betonte die 39-Jährige: »Ich hoffe, ich werde niemanden enttäuschen.«
Das hoffen auch die vielen israelischen Eurovision Song Contest-Fans. Die vor allem eins sind: Erfolge gewohnt. Hatte sich Deutschland bereits ab den 1950ern mit schmalzigen Schlagern wie »Im Wartesaal zum großen Glück«, »Für zwei Groschen Musik« oder »Zwei kleine Italiener« im Mittelfeld des internationalen Musikwettbewerbs der Europäischen Rundfunkunion getummelt, kam Israel zwar erst 1973 dazu, dann aber richtig.
Gleich zweimal in einem Jahrzehnt landeten Vertreter des jüdischen Staates auf Platz Eins: 1978 gewann Jitzhar Cohen mit seiner Band »Alephbeta« und dem Lied »A-ba-ni-bi« (einem hebräischen Wortspiel mit der deutschen Bedeutung »ich«), im Jahr darauf fuhr Avigail Atari mit einer Truppe namens »Milch und Honig« und dem Song »Halleluljah« ein weiteres Mal den Sieg für Israel ein.
Und dann, 1998, nach Jahren mit guten Ergebnissen, schlug die Stunde von Dana International. Mit ihrem Eurodance-Song »Diva« schaffte sie es, den Sieg ein drittes Mal nach Israel zu holen. Ihr deutscher Gegner war damals Guildo Horn mit seinen »Orthopädischen Strümpfen« gewesen, der in dem von »Alf Igel« alias Stefan Raab produzierten Song »Guildo hat euch lieb!« über Nussecken und Himbeereis gesungen hatte. Von ähnlicher textlicher Brillianz, Tiefgang und garantiertem Fremdschämfaktor war auch das Sieger-Lied von Dana International.
Deren Begeisterung für Popmusik wurde ihren eigenen Angaben zufolge 1983 geweckt. Damals sang Ofra Haza beim Eurovision Song Contest für Israel den Song »Hi«, landete auf dem zweiten Platz und in seiner Heimat saß der achtjährige Jaron Cohen vor dem Fernseher. Er beschloss Sänger zu werden – und eine Frau. 1993 war es dann soweit: Aus Jaron Cohen, der den in Israel obligatorischen Militärdienst verweigert hatte, wurde Dana International, die Tochter jemenitischer Einwanderer. Damit wurde sie zum Politikum.
Der staatliche Rundfunk weigerte sich, ihre Songs zu spielen – und als man sich dann doch entschloss, die Transsexuelle als internationales Aushängeschild für das liberale Israel zu nutzen und sie gar für den Eurovision Song Contest nominierte, liefen viele ultra-orthodoxe Juden Sturm. Besonders eifrig protestierte der damalige Knesset-Abgeordnete Schlomo Ben Isri, ein Rabbiner der Schas-Partei.
Er empörte sich in den heimischen Medien: »Israel ist ein Licht unter den Völkern dieser Welt, aber jetzt ist die Dunkelheit angebrochen.« Und zur Geschlechtsumwandlung von Dana International merkte er an, die sei »schlimmer als Sodomie«, aber natürlich »respektiere er alle Tiere auf dieser Welt«. Neben den verbalen Attacken Ben Isris gab es aber auch tätliche Angriffe. Bei einem Konzert in Tel Aviv wurde sie erst mit Flaschen beworfen, dann wurden, um dem sündigen Treiben ein Ende zu setzen, die Lautsprecherkabel durchgeschnitten.
Aber nicht nur in Israel hat die erfolgreiche Sängerin mit ihrer Musik Gegner – auch im benachbarten Ägypten. Dort hatte man ihr die Einreise und ihre Lieder in den 1990er Jahren verboten. Sie, da waren sich die Behörden sicher, sei eine zionistische Verschwörung und der Schlager »Madam Sultan« verderbe die eigene Jugend.
Als sie 1999 auch noch bei der Siegerehrung für ihren Nachfolger auf Highheels vor laufender Kamera mit der Trophäe in der Hand stürzte, spotteten ihre Gegner wochenlang. Am 12. Mai will die transsexuelle Popsängerin nun den Israelis und der Welt beweisen, dass sie ihren Coup von einst wiederholen kann. Sollte sie es ins Finale schaffen, wird Dana International gegen Lena Meyer-Landruth antreten. Die findet Israels skurrilster Schlagerexport einfach nur »süß«.
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