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Deutsch-Arabisches Energieforum der Ghorfa 24.10.2011

Bringt der »Wind of Change« die Energiewende?

Achmed A. W. Khammas


Falls jemand vom zweiten Energieforum der Deutsch-Arabischen Handelskammer »Ghorfa« ein Feuerwerk neuer Ideen, innovativer Ansätze oder futuristischer Entwicklungen erwartet hätte, wäre er enttäuscht worden. Aber darum ging es auch nicht: Im Zentrum der zweitägigen Konferenz am 20. und 21. Oktober stand die traditionelle, deutsche Industrie – solide, verlässlich und berechenbar. Werte, die auch bei einer beschleunigten, zukünftigen Entwicklung erhalten bleiben sollten, auch wenn sie es Erneuerern und Pionieren nicht einfach machen, mit Konzepten auf den Markt zu kommen.


Im gediegenen Ambiente des Hotel Adlon Kempinski in Berlin wurden konventionelle Kraftwerke, fossile Brennstoffe und der Ausbau der Versorgungsnetze thematisiert – aber auch aktuelle Angelegenheiten wie Energieeffizienz, Know-How-Transfer und CO2-Einsparung. Besonders gut besucht waren die Sessions, in denen es um neue Perspektiven und Partnerschaften im Bereich der Erneuerbaren Energien sowie der Meerwasserentsalzung ging. Was angesichts des immensen demografischen Zuwachses in der arabischen Ländern leicht nachvollziehbar ist.


Die Energie des Wandels spüren die Menschen noch nicht

Die Ghorfa veranstaltete das hochrangig besetzte Forum – unter anderem trat Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Gastredner auf – in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Desertec Industrial Initiative (Dii), dem Fachverband Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsbau e.V. (FDBR) sowie dem Verband Beratender Ingenieure (VBI). Und es war viel zu kurz, um einen wirklich Überblick über die gegenwärtigen Fortschritte auf dem Sektor der Erneuerbaren Energien geben zu können.


Den Arabern ist die Versorgungssicherheit natürlich genauso wichtig wie uns hier in Mitteleuropa, und auf der Suche nach intelligenten Lösungen für die Zukunft ist man gemeinsam, wenn auch aus extrem unterschiedlichen Ausgangspositionen. Klar, im Moment weht der »Wind of Change« durch die arabische Welt, doch angefacht wird dieser hauptsächlich durch die internationalen Medien. Für den Fellachen im Nildelta, den Obstbauern am Hermon oder den Haufenarbeiter in Tripolis hat sich noch gar nichts verändert – und wird es so schnell auch nicht.


Was unter anderem daran liegt, dass diesen Menschen noch niemand zeigt, was sie auch selbst tun können, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen oder staatlich zugeteiltem Strom zu reduzieren. Und da gibt es wirklich vieles, wenn man sich die zum Teil äußerst erfolgreichen Kampagnen im mittleren und südlichen Afrika, in Südamerika und Asien anschaut. Doch warum existiert so gut wie nichts davon in den arabischen Ländern?


Noch haben die Kampagnen den Charme der 50er Jahre

Es wäre falsch, der deutschen Großindustrie daraus einen Vorwurf zu machen, denn diese hat ganz einfach andere Prioritäten, als das Leben des durchschnittlichen Nordafrikaners zu verbessern. Was andererseits aber etwas kurzsichtig ist – denn sogar Großprojekte wie die gigantischen Desertec-Solaranlagen werden nicht funktionieren, wenn mit den Betroffenen keine 50/50-Lösungen gefunden werden. Denn erst dadurch bekommen die Menschen an den Standorten das Gefühl, dass diese Sonnenkraftwerke auch für sie da sind. Und erst dann werden sie auch Verantwortung übernehmen.


Neue Perspektiven für die deutsch-arabischen Beziehungen auf dem Energiesektor gibt es viele, auf dem Gebiet der Windenergie und der Geothermie ebenso wie beim Netzausbau, der Energierückgewinnung und vielen anderen Bereichen. Elementar ist jedoch – und das scheinen die Verantwortlichen sowohl hier als auch dort bislang noch nicht begriffen zu haben –, den Menschen jener Länder diese Perspektiven auch nahezubringen. Die bisherigen Aufklärungskampagnen haben den Charme der 50er Jahre – und sind inhaltlich auch nicht viel weiter.


Weiß denn noch einer der Söhne des Nils, dass das erste Parabolrinnen-Kraftwerk der Welt in Ägypten errichtet wurde – vor exakt 100 Jahren? Nun hat die Solar Millennium Gruppe südlich von Kairo im Juni dieses Jahres ein Hybridkraftwerk mit einer elektrischen Gesamtleistung von 150 MW in Betrieb genommen, zu deren Erzeugung neben Solarenergie auch Erdgas genutzt wird. Dies ist zwar nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein, doch immerhin ein neuer Anfang.


zenith-Autor Achmed A. W. Khammas ist Verfasser einer Chronologie aller Erneuerbaren Energien, zu lesen unter www.buch-der-synergie.de

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