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Nils Metzger
Er ist kein James Bond, der die Welt mit technischen Spielereien von Größenwahnsinnigen befreit, er ist kein Eli Cohen, der den Sieg Israels im Sechstagekrieg vorbereitete, und kein Mosab Hassan Yousef, der die Führungsspitze der Hamas anzapfte und heute Bücher darüber schreibt. Tatsächlich ist Ouda Tarabin ein armer, glückloser Geselle. Er sitzt seit fast elf Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis in Kairo ein. Aber sein Schicksal wird nun nach zenith-Informationen auf Regierungsebene behandelt.
Der heute 29-Jährige entstammt einer arabischen Beduinenfamilie, die seit Jahrzehnten auf der Sinai-Halbinsel lebt. Für diese Beduinen ist es selbstverständlich, die Wüstengrenze zwischen Ägypten und Israel manchmal täglich zu überqueren. Manche von ihnen verdienen ihr Geld als Schmuggler und Schlepper.
Während Tarabin, der im israelischen Negev lebte, Anfang 2000 offenbar Verwandte in Ägypten besuchte, verhafteten ihn ägyptische Militärpolizisten im Haus seiner Schwester. Tarabin habe versucht, Familienmitglieder als Mossad-Agenten anzuwerben, hieß es. Ohne ihm einen Prozess zu machen, verhängte ein Militärrichter eine 15-jährige Haftstrafe wegen Spionage. In Israel wird vermutet, Ouda sei an Stelle seines Vaters, Suliman Tarabin, der 1967 tatsächlich ägyptische Militärstellungen an Israel verriet, in Sippenhaft genommen worden.
»Sie haben den Vater nicht bekommen. Also nehmen sie den Sohn«, entrüstet sich Izhak Melzer, Anwalt Ouda Tarabins. Vom israelischen Beer-Sheva aus versucht der Jurist seit 2005, seinem Mandanten die Freiheit zu erkämpfen. Bislang scheiterte er meist daran, dass sich keine Behörde für den Fall zuständig fühlte und die Politik die Augen schloss. »Die israelische Regierung übt in der Sache kaum Druck aus«, bewertete Melzer das Vorgehen seiner Regierung im Juni 2010 im Gespräch mit zenith.
In der Zwischenzeit schrieb er Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, das Europäische Parlament und Vertreter des deutschen Bundestages unzählige Male an und bat um Unterstützung. Deutschland könne Einfluss auf Israel nehmen, den Fall immer wieder ansprechen, hofft der Anwalt. Und auch zu den ägyptischen Behörden könne Berlin seine Kontakte spielen lassen. Doch nie erhielt Melzer mehr als Sympathiebekundungen.
Der drusische Likud-Abgeordnete Ayoob Kara war lange Zeit einziger politischer Fürsprecher schneller und gezielter Verhandlungen mit ägyptischen Stellen. Für ihn ist die beduinische Herkunft Tarabins entscheidend für das behäbige Agieren der israelischen Regierung. »Ouda kommt eben aus einem Umfeld, das hier niemandem etwas bedeutet. Aber er ist genauso Israeli wie wir alle«, bekräftigt Kara sein Engagement.
Einen Brief, der den Weg für Verhandlungen über eine Freilassung Tarabins ebnen könnte, überreichte Netanjahu dem ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak nun angeblich Anfang Januar. Darin bittet Tarabins Mutter den Staatschef um Gnade. »Ich kann meine Söhne nicht verheiraten, solange mein Ältester noch im Gefängnis sitzt«, heißt es in dem arabischen Text des Schreibens, das zenith vorliegt.
Auch der Likud-Mann Kara schöpft nun Hoffnung, Tarabin könnte bald wieder in Freiheit sein. Gerade werde über einen Gefangenenaustausch zwischen beiden Staaten verhandelt. Israel habe der ägyptischen Regierung bereits ein Angebot zukommen lassen, heißt es in israelischen Medien.
Auf diese Weise erreichte Jerusalem in der Vergangenheit schon oft die Freilassung mutmaßlicher Agenten. Im Gegenzug kamen dafür meist palästinensische Aktivisten oder Häftlinge aus arabischen Staaten auf freien Fuß. Bis zuletzt war Tarabin der einzige angebliche Spion Israels in ägyptischer Haft.
Es scheint, dass die israelische Führung die Befreiung inhaftierter Bürger wieder mit mehr Nachdruck angehen will. Anfang Januar sprach Netanjahu bei US-Präsident Barack Obama vor, um die Begnadigung von Jonathan Pollard zu erbitten. Seit 25 Jahren sitzt der ehemalige Offizier der US Navy wegen der Weitergabe militärischer Geheimnisse an Israel in amerikanischer Haft. Im Gegensatz zu Tarabin wurde die Spionagetätigkeit im Falle Pollard nachgewiesen. Eine große israelische Kampagnengruppe veröffentlicht seitdem beinahe wöchentlich Erklärungen, die Pollards Begnadigung erwirken sollen.
»Der israelische Staat hat gegenüber Pollard eine moralische Schuld«, sagte Netanjahu in Washington. Solch eine Aussage fordert Ayoob Kara nun auch in der Sache Tarabin: »Der Staat hat eine Verantwortung, beide zu befreien.« Auch in Deutschland stößt der Fall des Beduinen auf wachsendes Interesse. Gegenüber zenith bestätigte die israelische Botschaft, dass der Fall auch während eines Treffens zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem israelischen Botschafter Yoram Ben-Zeev zur Sprache gekommen sei.
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