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Nils Metzger
Roland Koch dürfte vor Neid erblassen. Lag der umstrittene Ausbau des Frankfurter Flughafens wie ein dunkler Schatten über seiner Amtszeit als hessischer Regierungschef, kennt Saudi-Arabien diese Probleme nicht. Soll hier ein Flughafen gebaut werden, muss das Königshaus keine Demonstranten, Ökoaktivisten und Baumliebhaber fürchten. Wälder gibt es dafür einfach zu selten. So ließ es sich Kronprinz Sultan ibn Abd al-Aziz auch nicht nehmen, die frohe Botschaft von seinem marokkanischen Domizil aus zu verkünden, wo er sich von einer schweren Krebserkrankung erholte.
Dschiddah ist das boomende Herz Saudi-Arabiens. Internationale Wirtschaftskongresse und nicht zuletzt die Hadsch spülen jedes Jahr Millionen Menschen aus dem Ausland in die Metropole. Wichtigster Anlaufpunkt ist der größte Flughafen des Königreiches, der »King Abdulaziz International« mit über 15 Millionen abgefertigten Passagieren im laufenden Jahr 2010. Seit September 2006 versucht die Regierung Partner zu finden, die die Kapazitäten auf bis zu 50 Millionen im Jahr 2020 und anschließend auf 80 Millionen bis 2035 auszubauen. Den Kostenumfang des Vorhabens berechnet die zentrale Luftfahrbehörde GACA mit 11,3 Milliarden US-Dollar.
Wie auch beim Ausbau der Hotelanlagen und Pilgerstätten in Mekka, profitierte die Saudi Binladin Group (SBG) von ihren hervorragenden Beziehungen zum Königshaus. Das 1931 vom Vater Osama bin Ladens gegründete Privatunternehmen kann seit jeher auf staatliche Aufträge zurückgreifen. Welchen Umsatz die knapp 70.000 Angestellten erwirtschaften, teilt das verschwiegene Hauptquartier in Dschiddah nicht mit. Das amerikanische Fachmagazin ConstructionWeek schätzt, die Auftragsbücher seien bis zu 41 Milliarden US-Dollar schwer.
Das Flughafen-Projekt gliedert sich in drei Bauabschnitte. 2008 war es der Pariser Flughafenbetreiber ADPI, der sich für 137 Millionen US-Dollar den ersten Auftrag - größtenteils Planungsdienstleistungen und Erdarbeiten - sicherte. Die nun unterzeichneten Verträge mit SBG machen jedoch den Löwenanteil der ersten Planungsphase aus, die bis 2014 abgeschlossen sein soll. 7,2 Milliarden US-Dollar gibt die saudische Regierung aus, um ein neues Terminal mit 670.000 Quadratmetern Fläche und 94 Flugzeug-Stellplätzen von SBG errichten zu lassen. Besonders stolz sei man darauf, bald den mit 133 Metern höchsten Kontrollturm der Welt zu besitzen, verkündet die GACA-Pressemeldung. Über 34.000 Arbeitsplätze möchte die Behörde durch die Ansiedlung von Geschäften und Hotels schaffen.
Das Vorhaben war vor allem dadurch notwendig geworden, dass jedes Jahr mehr Pilger zu den heiligen Stätten in Mekka reisen. Das 1981 gebaute Hadsch-Terminal stößt inzwischen an seine Grenzen. Zudem wird der Flughafen von Dschiddah bislang von vielen internationalen Passagieren gemieden, da am »King Abdulaziz International Airport« das Terminal der staatlichen Fluglinie Saudi-Arabian Airlines und das der ausländischen Gesellschaften knapp 20 Kilometer auseinander liegen und so lange Umsteigezeiten unvermeidlich sind. Zwar wurden die beiden vorhandenen Terminals vergangenes Jahr abermals von SBG runderneuert, doch erst mit dem 2014 vollendeten Prachtbau können alle Reisenden in einem Gebäude abgefertigt werden.
Zu den langfristigen Profiteuren zählt auch die deutsche Fraport AG. Das Unternehmen hinter dem Rhein-Main-Flughafen kooperiert seit November 2008 mit der GACA. Bis 2014 übernimmt Fraport die Ausbildung des Bodenpersonals und den Betrieb der Flughäfen in Dschiddah und Riad. Bei Passagierabfertigung und Gepäcktransport greift Saudi-Arabien auf Expertise aus Deutschland zurück. Dafür erhält das Unternehmen 57 Millionen US-Dollar und soll so das Fundament für den Erfolg des noch unvollendeten Flughafens bereiten.
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