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Für Gaddafi-Fans hat die Geschichte schon das Zeug zu einer Heiligenlegende: Kaum hat die Verwandtschaft des libyschen Obersts die Grenze nach Algerien in einer Limousinenkolonne überquert – und damit einen diplomatischen Eklat zwischen den nordafrikanischen Staaten ausgelöst – schon kommt Aisha Gaddafi dort nieder. Agenturmeldungen vom Dienstag zufolge hat Aisha Gaddafi eine Tochter zur Welt gebracht.
Währenddessen räumen Rebellen und Bürger von Tripolis Aishas Villa aus. Ein besonderes Prunkstück: ein goldenes Kanapee mit einer neobarocken Sirene, die Aishas Gesicht darstellen sollen. Arabische Fernsehsender zeigten Kinder, die in Aishas Swimming Pool plantschen und sich auf ihren Massage-Liegen fläzen.
Blonde Haare, lange Beine in engen Gucci-Hosen – Aisha Gaddafi galt manchen als Claudia Schiffer der Wüste. Die Tochter des selbst ernannten Revolutionsführers setzte sich als UN-Ehrenbotschafterin gegen Aids sowie die Unterdrückung von arabischen Frauen ein und erweckte lange Zeit den Anschein, das einzige normale Kind des Despoten zu sein. Das war sie nie.
Als Teenager im Umgang mit Waffen geschult, pries sie später die IRA im Londoner Hyde-Park als Freiheitsbewegung und verstärkte das Verteidiger-Team Saddam Husseins. Seit einem Interview mit der New York Times ist die 35-Jährige zudem zu einer Art libyscher Magda Goebbels avanciert: Die Mutter dreier Söhne erklärte, bevor ihre Kinder im familieneigenen Bunker ins Bett gingen, erzähle sie ihnen Gute-Nacht-Geschichten über das Jenseits – um sie vorzubereiten. Denn Aisha Gaddafi hält ihrem Vater die Treue. In Tripolis rief sie Getreuen zu: Wer Gaddafi nicht will, der verdient nicht zu leben.
Zumindest aus Sicht der Kinder ein Glück, dass Aisha die Flucht gelang – und ihr am Schluss doch das Pathos zu einem wirkungsvoll inszenierten, kollektiven Selbstmords fehlte. Auch der alte »Bruder Führer«, Muammar al-Gaddafi, scheint sein Ende nicht im Kampf zu suchen. Nach einer Reuters-Meldung hat Gaddafi das Hasenpanier ergriffen und flieht nach Süden. Angeblich wurde er in der Oase Sabha gesehen und soll sich auf dem Weg nach Niger oder Tschad befinden. Sein neues Enkelkind wird Gaddafi vorerst nicht begrüßen können.
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