Foto: dpa-PA

Gesellschaft

Sportprojekt in Gambia

19.04.2010

»Demokratisierung durch Fußball«

Björn Zimprich


Eine bürgerliche Organisation aus Gambia geht neue Wege, um die Bevölkerung mit politischer Bildung zu erreichen. zenith sprach mit Madi Touray, dem Generalsekretär der »Alliance for Democracy in Africa«, über das Verhältnis von Kicken zu Volksherrschaft.


Eine bürgerliche Organisation aus Gambia geht neue Wege, um die Bevölkerung mit politischer Bildung zu erreichen. zenith sprach mit Madi Touray, dem Generalsekretär der »Alliance for Democracy in Africa«, über das Verhältnis von Kicken zu Volksherrschaft.


zenith: Herr Touray, Sie sind Generalsekretär der »Alliance for Democracy in Africa«. Ihre Organisation plant für Dezember 2010 ein Projekt, dass sich »Demokratisierung durch Fußball« nennt. Was hat es damit auf sich?


Madi Touray: Das ist ein Projekt, in dem junge Männer und Frauen Fußball als Medium nutzen, um für Demokratie, Menschenrechte und Gute Regierungsführung in Gambia zu werben, und um auf die Gefahren illegaler Auswanderung nach Europa, Asien und in die USA aufmerksam zu machen. Die Menschen sollen sensibilisiert werden, dass Demokratie die bessere Alternative zu Militärherrschaft ist, und dass sie ihre Zukunft auch in Afrika gestalten können. Wenn die Projektteilnehmer nicht gerade auf dem Fußballplatz sind, sollen sie Bildungsprogramme in Schulen und Dörfern durchführen, um mit diesen die Vorteile von Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit, Gewaltlosigkeit und freien Wahlen zu erarbeiten. Eine weitere Ebene, auf die das Projekt abzielt, ist die der interkulturellen Erfahrungen, welche die Teilnehmer dank der multikulturellen Ausrichtung sammeln werden.


Wer führt das Programm genau durch und welche Zielgruppe hat das Projekt?


Zurzeit beteiligen sich Jugendliche aus Gambia daran sowie einige Studenten vom Juniata College in Pennsylvania in den USA, die gerade ein Auslandsemester hier in Gambia verbringen. Aber auch deutsche Studenten sind uns herzlich willkommen! Prinzipiell richtet sich das Projekt zwar an Jugendliche, aber wir rechnen mit einem gewissen »spill-over«-Effekt, das heißt damit, dass die erarbeiteten Inhalte durch die Jugendlichen in die Kommunen und an ältere Generationen weitergetragen werden.

Madi Touray


stammt aus Sutokoba in Gambia. Er studierte in den USA Entwicklungszusammenarbeit in Springfield und Washington. Nach einem Bachelor und Masterabschluss wurde er 1999 promoviert über das Thema Land-Stadt-Migration in Gambia. Seit 2000 ist er der Generalsekretär der Alliance for Democracy in Africa (ADA).

Warum haben sie sich für Fußball entschieden?


Fußball ist der mit Abstand beliebteste Sport in Gambia, Westafrika und auf dem ganzen afrikanischen Kontinent überhaupt. Selbst die ältere Frauen und Männer interessieren sich dafür. Fußballspiele gucken sich die Leute im ganzen Land und im letzten Dorf an. Folglich verbindet ADA eine nationale Leidenschaft Gambias mit Bildungsinhalten aus dem Bereich der politischen Bildung.


Aber was hat dieses Spiel mit Demokratisierung zu tun?


Demokratie bedeutet Teilhabe an der Entscheidungsfindung und das ist genau die Art und Weise, wie Fußball in Gambia umgesetzt wird. Sehen Sie, die Auswahl des Teams, des Kapitäns, und all der andere Positionen in der Mannschaft werden von den Jugendlichen auf demokratischem Weg durchgeführt. Der ganze Prozess läuft so ab. Wir nutzen diese Erfahrung der Jugendlichen, um ihnen zu veranschaulichen, dass demokratische Konzepte weltweit auf genau diese Weise funktionieren. Wir knüpfen an etwas an, was die Jugendlichen kennen und was sie interessiert. Wir erhoffen uns davon einen großen Lerneffekt.


»Nationale Leidenschaft und politische Bildung verbinden«

Erreichen sie mit diesem Projekt auch Frauen oder ist Fußballspielen in Gambia reine Männersache?


Nein, nein, auch Frauen interessieren sich hier für Fußball und wir können auch Frauen damit erreichen. Es gibt sogar ein gambisches Frauen-Fußballteam und sie sind auch Teil von »Demokratisierung durch Fußball«. Allgemein hat ADA ja neben politischer Bildung für Jugendliche einen weiteren seiner Schwerpunkte auf Frauen ausgerichtet. Eine Reihe von Vorhaben zielt speziell auf Frauen und dient deren Bildung sowie Ehe-unabhängiger Einkommensgenerierung. Darunter fallen zum Beispiel Projekte zum Gemüse- und Obstanbau, zur Seifenherstellung, Batik, Bäckereien, zu Lederarbeiten usw. Warum sollten wir Frauen beim Fußball nicht integrieren? Für sie gilt das gleiche sportliche Interesse und die gleiche Notwendigkeit an politischen Bildungsinhalten.


Wie sind ihre ersten Erfahrungen mit Ihrer Idee?


Erste Erfahrungen haben wir vor zwei Tagen gesammelt, als wir ein großes Fußballspiel organisierten, an dem viele Menschen aktiv und mit großem Interesse teilgenommen haben. Die Resonanz war wirklich großartig. Unheimlich viele junge Leute wollen sich jetzt an dem Projekt beteiligen. Uns rufen ständig Lehrer an, die das Projekt »Demokratisierung durch Fußball« auch an ihren Schulen durchführen wollen.


Woher kommen die Gelder für ihre Aktivitäten?


Bis dato kommen hundert Prozent der Finanzierung von den gambischen Mitgliedern von ADA und das ist auch gewollt. Wir glauben an das Prinzip der Selbsthilfe. Bevor du jemand anderen nach Hilfe fragst, solltest du erst einmal selbst damit beginnen, dir zu helfen, eigene Anstrengungen unternehmen. Aber trotzdem würden wir es begrüßen, wenn andere Organisationen, Schulen, Unternehmen oder Einzelpersonen unsere Anstrengungen unterstützen könnten.


Spielen sie selbst Fußball?


Ja, manchmal. Bei mir hat es leider nie für eine Profikarriere gereicht.




Eine Frage des Geldes
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